Energiewende made in Germany — Gesammelte Perspektiven

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Die Energiewende in Deutsch­land gilt als Erfol­gsmod­ell und find­et weltweit Beach­tung. Hier auf der Kli­makon­ferenz habe ich mich auf den Weg gemacht, um Per­spek­tiv­en von Jugendlichen aus der ganzen Welt und Poli­tik­ern zu sam­meln, wie sie sich die Energiev­er­sorgung der Zukun­ft sehen.

Wir von der Kli­madel­e­ga­tion des Jugend­bünd­nis Zukun­ft­sen­ergie, die wir uns hier auf der UN Kli­makon­ferenz übri­gens mit dem schö­nen englis­chen Namen „Youth Alliance for Future Ener­gy“ vorstellen, set­zen uns ins­beson­dere auf nationalem Lev­el für eine hun­dert­prozentige Ver­sorgung aus erneuer­baren Energien ein. Dieser Wan­del des Energiesys­tems spielt eine entschei­dende Rolle, um inter­na­tionale Kli­maschutzziele erre­ichen zu kön­nen.

So habe ich mich auf den Weg gemacht und die Chance genutzt, dass hier auf der Kli­makon­ferenz nicht nur Ver­hand­lungs­del­e­ga­tio­nen aus 194 Län­dern anwe­send sind, son­dern auch viele engagierte Jugendliche aus der ganzen Welt, die ich nach eige­nen nationalen Energiekonzepten und zur Wahrnehmung der deutschen Energiewende befragte.

Im Gespräch mit Mari­na aus Neusee­land erfuhr ich, dass beispiel­sweise der deutsche Weg, seit mehreren Jahren ver­stärkt auf Energie aus regen­er­a­tiv­en Quellen zu set­zen, bei ihnen eine große medi­ale Beach­tung finde. Glo­ri­fizierend werde Deutsch­land als Parade­beispiel gese­hen, weil auf­grund inge­nieur­wis­senschaftlich­er Kom­pe­ten­zen die Energierev­o­lu­tion erfol­gre­ich gestal­tet wer­den könne. Mari­na war beson­ders von dem in neuseeländis­chen Medi­en ver­bre­it­eten Bild begeis­tert, auf jedem deutschen Dach befinde sich eine Solaran­lage. Dies sei Aus­druck dafür, dass es sich um eine von einzel­nen Bürg­ern aus­ge­hende nationale Massen­be­we­gung han­dele. Auch poli­tisch war sie davon überzeugt, die Energiewende habe einen Kon­sens unab­hängig von parteipoli­tis­chen Aus­rich­tun­gen erre­icht. Mari­nas Vision für die Energiev­er­sorgung der Zukun­ft ist, dass in ihrem Land, wo bere­its heute ein Großteil des Stroms von Wasserkraftan­la­gen erzeugt wird, auch Bürg­er eigene Solaran­la­gen erricht­en. So könne ihre „Gen­er­a­tion Zero“ gestärkt wer­den und mit dem Aus­bau erneuer­bar­er Energien einen entschei­den­den Beitrag zur Klimabe­we­gung leis­ten.

Elenore aus Alban­ien berichtete, dass bei ihr zu Hause bere­its seit langer Zeit, auch ohne öffentliche Energiewendediskus­sion 80 % des nationalen Strombe­darfs von Wasserkraftwerken gedeckt wird. Den­noch hat sie die Vision, dass die jet­zt schon nach­haltige Energieerzeu­gung durch weit­ere Erschließung ungenutzter Poten­ziale, ins­beson­dere im Solar­bere­ich, gestärkt wird. Ihr State­ment zur momen­ta­nen Energieerzeu­gung: „sus­tain­able, but need to improve“.

Ame­na aus Ägypten informierte mich, dass in ihrem Land schon einige Staudämme für grü­nen Strom sor­gen, aber auch, dass die Regierung derzeit zunehmend auf Kohleim­porte set­zt und sog­ar neue Kohlekraftwerke plant. Den­noch sieht sie die Chance, dass die große Wüsten­fläche des Lan­des zukün­ftig inten­siv­er zur Solarstrompro­duk­tion genutzt wer­den kön­nte. Dabei nimmt sie das deutsche Konzept als Vor­bild, genossen­schaftlich finanzierte Solaran­la­gen in Kom­munen zu erricht­en. Darüber hin­aus unter­stützt sie auch das Desertec-Pro­jekt, denn ihr State­ment ist: “any tech­nol­o­gy that brings sus­tain­able engery, is a good thing“.

Neben diesen exem­plar­ischen Inter­views mit Jugendlichen hat­ten wir auch die Chance mit ver­schiede­nen Poli­tik­ern, über­wiegend aus Deutsch­land, über diese The­matik zu sprechen.

Dabei betonte Staatssekretärin Ursu­la Heinen-Ess­er aus dem Bun­desumwelt­min­is­teri­um in ihrem Vor­trag, dass inter­na­tion­al auf Deutsch­land geschaut werde, ob ein hochin­dus­tri­al­isiertes Land es schaffe, die Energiewende umzuset­zen. Sie beze­ich­nete das gesamt­ge­sellschaftliche Pro­jekt, den Energiesek­tor zu trans­formieren, als größte Her­aus­forderung Deutsch­lands seit dem zweit­en Weltkrieg. Die Energiewende werde unsere Gesellschaft grundle­gend verän­dern, indem sie zu mehr Sol­i­dar­ität, Wohl­stand und pos­i­tiv­en Wan­del führe.

Matthias Groote, Vor­sitzen­der des Umweltauss­chuss­es des europäis­chen Par­la­ments, sieht einen immensen Wet­tbe­werb­svorteil Deutsch­lands, das bere­its so früh auf erneuer­bare Energien geset­zt hat. Dabei betonte er, dass dies allein schon in Europa eine Aus­nahme darstelle, da in Folge der europäis­chen Finanzkrise die Wirtschaft in anderen Staat­en am Boden liege und so nicht der gle­iche Finanzierungsspiel­raum gegeben sei. Den­noch sieht er die Chance, auch in der Krise, eine Trans­for­ma­tion hin zu nach­halti­gen Tech­nolo­gien weit­er voran zu treiben.

Diese State­ments zeigen, dass von Deutsch­land inter­na­tion­al erwartet wird, die Energiewende erfol­gre­ich umzuset­zen. Viele von uns Jugendlichen haben jedoch den Ein­druck, dass der poli­tis­che und auch gesellschaftliche Enthu­si­as­mus, dieses Ziel wirk­lich ambi­tion­iert ver­fol­gen zu wollen, ein wenig ver­loren gegan­gen ist. So liegt es nun an uns, sich jet­zt und in Zukun­ft für eine ambi­tion­ierte und schnelle Real­isierung der Energiewende einzuset­zen.

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