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USA bejubeln Kohle — das einsamste Event der COP 23

von Pia Jorks und Malte Kuhn

 

Es war noch früh am mor­gen, als uns die Nachricht erre­ichte: die USA ver­anstal­tet auf der Weltk­li­makon­ferenz ein Podi­um zum The­ma „Clean Coal“ – also zu „sauber­er Kohle“. Ja, Wer­bung für Kohle und Öl als Zukun­ft­stech­nolo­gien. Auf der Klimakonferenz.

Dass sich hierge­gen Protest formiert, war zu erwarten, dass er am Ende so erfol­gre­ich wurde hat uns pos­i­tiv überrascht.

Wir woll­ten mit ein­er Gesang­sein­lage, der umgedichteten Ver­sion des Liedes “God Bless the U.S.A.”, die Ver­anstal­tung lahm­le­gen und gle­ichzeit­ig die große medi­ale Aufmerk­samkeit für unsere Botschaften nutzen. Die Ini­tia­tive für diese kreative Protes­tak­tion kam von der US-amerikanis­chen Umwelt NGO “Sus­tai­nUS” und zeigte, dass die Trump Admin­is­tra­tion nicht nicht im Inter­esse der Gesamt­bevölkerung han­delt. Angestoßen wurde die kreative Protes­tak­tion von Sus­tai­nUS – ein­er US-amerikanis­chen Umwelt-NGO.


“So you claim to be an American
But we see right through your greed;
It’s killing across the world
for that coal money.
And we proud­ly stand up and tell you to
‘Keep it in the ground.’
The peo­ple of the world unite…
and we are here to say”

 

Bere­its zwei Stun­den vor Beginn der Ver­anstal­tung bildete sich eine Schlange quer durch  die Haupthalle der “Bonn Zone” — eines Teils des Gelän­des der Kli­makon­ferenz. Es gelang etwa ein­hun­dert jun­gen Men­schen sich einen der etwa 250 Sitz­plätze zu sichern. 

Bere­its wenige Minuten nach Ver­anstal­tungs­be­ginn, als die Draußenge­bliebe­nen schon laut­starke Sprechchöre anstimmten, wurde die Ver­anstal­tung mit den eingeübten Liedern minuten­lang lah­mgelegt. Es fol­gte der große insze­nierte Aus­marsch aus dem Side-Event. Etwa  zwei Drit­tel der Sitz­plätze blieben daraufhin leer.
Im Anschluss gaben Vertreter indi­gen­er Völk­er eine Abschlusskundge­bung mit der Botschaft: 


“They do not rep­re­sent us they rep­re­sent cor­po­rate and fos­sil fuel inter­ests. Fos­sil Fuel CEOs can­not come to a cli­mate con­fer­ence and try to slow down progress to pro­tect their prof­its. But we are here to say “NO MORE” — “NO MORE”. And now we have walked out and left them talk­ing to themselves.”

 

Doch die spaßige Aktion hat einen ern­sten Hin­ter­grund: Nach­dem inzwis­chen Nicaragua und auch Syrien angekündigt haben, dem Paris­er Kli­maabkom­men beitreten zu wollen, sind die USA in der inter­na­tionalen Klimapoli­tik zunehmend isoliert. Trumps Ideen für Amerikas Zukun­ft: Kohle, Gas und Öl rufen bei den Delegierten ander­er Staat­en nur Kopf­schüt­teln her­vor. Im ver­traulichen Gespräch wer­den sie dann noch konkreter: Manche fra­gen sich, ob die Ver­han­dler der USA eigentlich selb­st glauben, was sie hier auf der Kli­makon­ferenz vertreten. Viel zu deut­lich ist näm­lich inzwis­chen der Unter­schied zwis­chen den Empfehlun­gen der Kli­maforschung und  der Wirtschafts- und Energiepoli­tik der USA.

Doch es gibt auch Hoff­nung: Die Zivilge­sellschaft posi­tion­iert sich deut­lich gegen diese falschen Lösun­gen für die Prob­leme des Kli­mawan­dels. Zugle­ich wer­den immer mehr Akteure auf lokaler Ebene aktiv. Ihre Botschaft: Kli­maschutz geschieht auf der lokalen Ebene. Kom­mu­nal­regierun­gen und Bürg­er­meis­ter sollen die neuen Cham­pi­ons für Verän­derung wer­den. Ex-Body­builder und diesjähriger Kli­makon­ferenz-Star­gast Arnold Schwarzeneg­ger hat eine Ini­tia­tive mit­ge­grün­det, die genau diese lokalen Entschei­dungsträger anspricht. 

Die Aktion fand zahlre­iche Unter­stützer, aus Wis­senschaft und  Wirtschaft, wie US  Micheal Bloomberg.

So gibt es den­noch eine Chance, die nationalen Kli­maschutzziele zu erre­ichen — ohne den US-Präsi­den­ten aber mit viel Engagement.

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